CIIT: Ein industriell-militärischer Korridor zwischen den Ozeanen
Um den Interozeanischen Korridor und das aktuelle politisch-ökonomische Interesse an ihm zu verstehen, hilft es den Isthmus von Tehuantepec zunächst geografisch zu betrachten: An dieser Stelle ist Mexiko am schlankesten: Der Abstand zwischen dem pazifischen und dem atlantischen Ozean beträgt lediglich 300 km. Außerdem gibt es dort eine Lücke zwischen den Gebirgen, die sich ansonsten vom Nordwesten bis in den Südosten Mexikos ziehen.
Das führt zum Einen zu einer enormen Biodiversität in der Region: Die Chimalapas an der östlichen Seite des Isthmus beherbergen 35-40% der Biodiversität Mexikos [1].
Zum Anderen macht es die Region zu einem Standort, der für die Kontrolle der Migration und für den internationalen Handel strategisch gut ist. Ein weiterer Effekt des Tals zwischen den Gebirgen ist starker Wind, der von Windenergie-Projekten genutzt werden kann.

Der Isthmus ist schon immer ein Ort des Austauschs. Heutzutage herrscht jedoch der Versuch vor, die Region industriell "fortschrittlich" zu machen.
Jahrhunderte bevor Hernán Cortés (derjenige, der den Überfall/die Eroberung des heutigen Mexikos anführte) darüber nachdachte einen Fuß auf ein Schiff zu setzen, war der Isthmus von Tehuantepec ein Ort des Austauschs von Kultur und Produkten. Als Hernán Cortés dann 1519 im heutigen Mexiko ankam gab es schon ein strategisches Interesse der Kolonialherren an der Region.
Der erste Versuch einer Verbindung der beiden Ozeane mit einem Zug passierte dann erst unter der autoritären Herrschaft Porfirio Díaz' 1907. Ab 1980 gab es zudem 8 Versuche, die sich zwar namentlich unterscheiden, jedoch alle die industrialisierung des Isthmus in ähnlicher Manier verfolgen [3].
Das aktuelle Programm für die Entwicklung des Isthmus von Tehuantepec (PDIT) reiht sich in diese Reihe der neoliberalen Entwicklungs-Versuche ein.
Was ist ein transisthmischer Korridor?
Der CIIT wurde schon bei der Wahlkampagne der Partei MORENA (dt.: Bewegung der nationalen Regeneration) beworben. Nachdem diese 2018 die Wahl gewann und den Präsidenten stellte wurde im Juni 2019 per Dekret ein "organismo público descentralizado" (eine staatliche Körperschaft, die organisatorisch und teilweise finanziell eigenständig ist) geschaffen, die das Projekt durchführen sollte. [2]
Das folgende Interview mit Miguel Ángel García beschreibt den Umfang des CIIT und seine Auswirkungen
Das Projekt hat vor Allem das Ziel die Region zu industrialisieren und umfasst folgende Vorhaben:
Transportinfrastruktur
- Die Häfen von Coatzacoalcos (Veracruz, am Golf von Mexiko) und Salina Cruz (Oaxaca, am pazifischen Ozean) sollen per Zugstrecke verbunden werden, dabei werden auch alte Trassen auf größere Geschwindigkeiten ausgelegt
- bestehende Straßen zwischen dem Golf von Mexiko und dem pazifischen Ozean sollen modernisiert werden und außerdem neue gebaut werden.
- Die Häfen von Coatzacoalcos und Salina Cruz werden für größere Frachtschiffe umgebaut.
Industrialisierung
- Es sind seit 2023 12 sogenannte Polos de Desarollo para el Bienestar (PODEBIS, dt.: "Entwicklungspole für den Wohlstand") festgelegt. Das sind Industriegebiete, wo unter Anderem Industrie im Bereich der Elektronik, Autoproduktion, Logistik, Agroindustrie, Pharmazeutik und Petrochemie angesiedelt werden sollen.

Energienetzwerk
Entlang des Industriekorridors soll eine Gaspipeline gelegt werden, die die Industriparks versorgenn kann. Zudem sind die Windparks im südlichen Teil des Isthmus eine weitere mögliche Energiequelle für die geplante Industrie.
Exktraktivismus
- Über den Abschnitt "FA" wird der interozeanische Korridor mit der Raffinerie Dos Bocas und Standorten der Erdölförderung verbunden sein (In Tabasco und Veracruz befinden sich 80% der mexikanischen Erdölvorkommen). Zudem verbindet dieser Abschnitt den CIIT mit dem Tren "Maya"
- Entlang des Korridors befinden sich auch Mineralien. Diese können mit der neuen Infrastuktur leichter abtransportiert, oder gleich verarbeitet werden
Doch das Megaprojekt am Isthmus ist nicht nur ein Industriekorridor von nationaler Bedeutung: Im Jahr 2024 machte sich der Klimawandel in Panama bemerkbar, genauer gesagt im Panama-Kanal. Durch zu geringe Regenfälle konnte diese Ader des globalen Handels zeitweise nur etwa die Hälfte der Frachtschiffe von einem in den anderen Ozean befördern. Die Verwaltung des Panama-Kanals prognostiziert, dass diese Auswirkungen des Klimawandels verstärkt aufkommen werden [4].
Zudem können die Rohmaterialien, welche transportiert werden in den geplanten Industriegebieten weiterverarbeitet werden. Die Schaffung von Arbeitsplätzen in dem Sektor wird von der Regierung angepriesen, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Arbeitsbedingungen gut sein werden werden und dass es Sozialversicherungen geben wird. Schon bei der Schaffung von Cancún wurde versprochen die Lebensbedingungen durch den internationalen Tourismus zu verbessern, die Situation auf der Halbinsel Yucatán ist heutzutage aber für viele prekär, während sich wenige bereichern.
Eine industriell-militärische Mauer gegen Migration
Ein weiterer Aspekt, der den Isthmus strategisch macht ist die Kontrolle der Migration: Da der Isthmus ein Engpass für Jene ist, die gen USA migrieren bekunden die USA großes Interesse an der Umsetzung des Interozeanischen Korridors. Die mexikanische Regierung hat eigene Interessen bezüglich des Projekts, aber bedient auch die Erwartungshaltung der USA.
Zum Einen stellen die Migrant*innen billige und vulnerable Arbeitskraft für die geplanten Arbeitsplätze in der Industrie dar: Da Flucht teuer ist, ist es wahrscheinlich, dass Migrant*innen Arbeit in den geplanten Industriegebieten annehmen. Zum Anderen verwaltet inzwischen die Marine Mexikos den Zug am Isthmus und so kann Migration auch einfacher militärisch eingeschränkt werden.
Die oben genannte staatliche Körperschaft, die das Megaprojekt CIIT verwaltet bleibt zwar in Händen des Staats, jedoch wurde im Oktober 2021 das (1999 gegründete) Staatsunternehmen "Ferrocarril del Istmo de Tehuantepec, S.A. de C.V." (dt.: Eisenbahn des Isthmus von Tehuantepec) an die Marine gegeben [5]. Dieses Unternehmen ist für die Instandsetzung, Instandhaltung und Operation der Strecken FA, Z und K des interozeanischen Zugs zuständig und wird von der Regierung als "Rückgrat" des interozeanischen Korridors bezeichnet.
Im November 2021 wurden die Megaprojekte im Süden Mexikos und so auch der der CIIT und die untergeordnete Eisenbahn des Isthmus von Tehuantepec als Projekte des öffentlichen Interesses und der nationalen Sicherheit erklärt, was es schwierig macht gegen diese zu klagen. Außerdem wird nicht-legalem Widerstand durch die einschüchternde und flächendeckende Militärpräsenz zuvorgekommen.
Die einzigartige Natur des Isthmus von Tehuantepec ist nicht nur vielfältig, sondern leistet auch den Menschen einen großen Dienst: In der Region der Chimalapas (welche an der östlichen Seite des Isthmus liegen) liegen 40% der Oberflächengewässer Mexikos. Zudem konsumieren die gut erhaltenen Wälder CO2, was in Zeiten der Klimakrise zunehmend notwendiger wird. Der Industriekorridor bedroht diese wichtigen Prozesse der Natur.
Die gut erhaltene Natur ist auch der kulturellen Vielfalt und den respektvollen Praktiken der verschiedenen indigenen Pueblos zu verdanken (Im Gebiet des Isthmus gibt es 13 verschiedene Kulturen, die seit vielen Jahrhunderten in der Region leben). Ihr - und der kleinbäuerliche - Widerstand gegen imperialistische Versuche den Isthmus von tehuantepec einzunehmen besteht schon seit langem und ist auch heute eine wichtige Kraft gegen das Megaprojekt des interozeanischen Koridors.
Quellen
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[1]
Observatorio Latinoamericano de Geopolítica (2021), El Istmo de Tehuantepec en riesgo, Quelle: https://geopolitica.iiec.unam.mx/sites/geopolitica.iiec.unam.mx/files/2021-04/Istmo%20de%20Tehuantepec%20en%20riesgo_0.pdf
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[2]
https://otrosmundoschiapas.org/analisis-general-del-proyecto-de-corredor-interoceanico-del-istmo-de-tehuantepec, Zugriff: 14.10.2025
-
[3]
Vázquez Vidal, Susana (2021), Por la angosta vía del progreso. Proyectos de desarollo y consultas indígenas en el Istmo de Tehuantepec. In: Cuadernos del Sur, Vol. 51
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[4]
https://www.nytimes.com/es/2024/08/14/espanol/sequia-canal-panama-2024.html, Zugriff am 14.10.2025
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[5]
Sectretaría de Gobernación (22.11.2021), Diario Oficial de la Federación. Ciudad de México, Quelle: https://www.dof.gob.mx/nota_detalle.php?codigo=5635985&fecha=22/11/2021#gsc.tab=0