Europäische Firmen: Wie national ist der Tren Maya wirklich?
Seit 2018 wird auf der Yucatán-Halbinsel der Tren "Maya", das Prestigeobjekt der vorherigen und derzeitigen Regierung Mexikos, gebaut und ist auch zu teilen fertiggestellt.
Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um einen Zug, sondern um ein Paket von Infrastrukturprojekten, die u.A. den Sektoren Energie, Gütertransport und Agrarindustrie zugutekommen. Außerdem wird das Straßennetz ausgebaut, Häfen erweitert, neue Flughäfen in Betrieb genommen und eine Verbindung zwischen dem anderen Megaprojekt, dem Interozeanischen Korridor am Isthmus von Tehuantepec, geschaffen. Auf der Strecke zwischen den zwei Megaprojekten liegt die Raffinerie Dos Bocas und auch 80% des Erdölvorkommens Mexikos.
Doch ein solches Gigaprojekt ist nicht nur von Interesse für den mexikanischen Staat. Verschiedene ausländische Unternehmen waren und sind beim Bau beteiligt und schöpfen Gewinne aus einem Projekt, von dem von Seiten der Regierung behauptet wird es nutze der lokalen Bevölkerung.
Mexikanische Unternehmen
Was bezüglich des Tren Maya naheliegt ist, dass am Bau und in der Durchführung mexikanische Unternehmen beteiligt sind. Das stimmt auch zum Teil, jedoch bedeutet es nicht, dass die Gewinne fair verteilt werden.
Zwei wichtige mexikanische Firmen, die durch den Bau des Tren Maya Gewinne einstreichen, sind
- CICSA: Eine Tochterfirma der Carso Gruppe, diese ist ein Konsortium, welches Carlos Slim gehört. Carlos Slim ist einer der reichsten Männer der Welt
- Empresa ICA: Diese Firma hat ist nicht nur am Bau des Tren "Maya" beteiligt, sondern auch an der Raffinerie Dos Bocas und am neuen internationalen Flughafen AIFA bei Mexiko Stadt.
Die Arbeitsbedingungen beim Tren Maya sind untragbar. So kam es bei den Bauarbeiten schon zu vielen Todesfällen, die Arbeit geschieht bei sehr hohen Temperaturen, Löhne werden für einen 8-Stunden-Tag bezahlt, aber die Arbeiter müssen tatsächlich 12-Stunden-Schichten machen und gewerkschafliche Organisierung ist schwer möglich. Die Arbeitsplätze, die mit dem Zug versprochen wurden sind prekär und selbst wenn es sich um nationale Firmen handelt, so wird das Geld nicht gerecht verteilt, sondern die ungleiche Verteilung von Einkommen vorangetrieben.

Rolando Martínez, Ein Arbeiter beim Tren "Maya" beschreibt seine Arbeitsbedingungen bei der Empresa ICA:
Doch nicht nur innerhalb von Mexiko nutzt das Megaprojekt wenigen und bedeutet die Arbeits-Ausbeutung vieler. Viele Bau-, Betriebs- und Beratungsaufgaben wurden an internationale Unternehmen vergeben, was die Versprechen der Entwicklung zu Gunsten der lokalen Bevölkerung noch mehr in Frage stellt.
Europäische Unternehmen und der Tren "Maya“
Das neue neoliberale Vorzeige-Projekt der mexikanischen Regierung wird getragen und finanziert von Unternehmen aus der ganzen Welt. Auch private und staatliche Unternehmen aus Deutschland haben großes Interesse gezeigt, in das Projekt zu investieren. Sie haben erste Zuschläge erhalten und Verträge abgeschlossen. Bis zu 85 multinationale Konzerne aus den USA, Europa (u.a. Deutschland, Frankreich,Spanien, Portugal), Mexiko und China bewarben sich um Aufträge im Zuge des Megaprojektes Tren „Maya“. Aus den USA ist insbesondere die Investmentgesellschaft Black Rock zu nennen, die vor Allem in Energieinfrastruktur-Projekten um den Tren Maya herum investiert. Aus Europa sind folgende drei Firmen aktiv beteiligt:
Der französische Konzern Alstom-Bombardier erhielt 2021 den 1 Milliarden-Euro-Auftrag zur Lieferung der Züge für den "Tren Maya", obwohl das Unternehmen zuvor wegen Unfällen, Korruption und Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten kritisiert wurde.
Die spanischen Staatsunternehmen Renfe und Ineco sind gemeinsam mit der Deutschen Bahn als „Schattenbetreiber“ [1] am "Tren Maya"-Projekt beteiligt und erhalten dafür rund 13,5 Millionen Euro. Ihre Beteiligung steht wegen Verstößen gegen indigene Rechte (ILO-169) in der Kritik.
Die DB Engineering & Consulting arbeitet mit Renfe und Ineco als „Schattenbetreiber“ [1] im "Tren Maya"-Projekt und erhält dabei den größten Anteil (8,6 Mio. € von 13,5 Mio. €). Als staatliches Unternehmen trägt die DB eine besondere Verantwortung, da das Projekt mit Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung, Enteignungen und Militarisierung in Mexiko verbunden ist. Trotz ihres grünen Images verschweigt die DB ihre Beteiligung weitgehend, um Kritik an den ökologischen und sozialen Folgen des Projekts zu vermeiden.
Quellen
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[1]
Als Schattenbetreiber fallen der Deutschen Bahn, Ineco und Renfe Aufgaben der Beratung über den zukünftigen Betrieb und die Überwachung der Herstellung, Lieferung und Inbetriebnahme des rollenden Materials sowie der übrigen Systeme des Projekts bis zum Beginn der kommerziellen Testphase zu.